Schulneubau: Qualität muss nicht teurer sein

v.l.n.r.: Regina Wittmann (planungspolitische Sprecherin und stellv. Fraktionssprecherin der GRÜNEN), Sandra Gödderz (schulpolitische Sprecherin), Andreas Blanke (Fraktionssprecher), Andreas Gadde (Kultur/Soziales) und Rolf Geisler (Abteilungsleiter I der Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck)

Eine Delegation der GRÜNEN Ratsfraktion Oberhausen besuchte in dieser Woche die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck, ein IBA Emscherpark-Projekt. Anlass war nicht, dass die Schule als eine der 15 besten Schulen in Deutschland nominiert wurde und nicht überraschend zu den Gewinnern gehören könnte, die am 5. Juni in Berlin verkündet werden. Dennoch: Auch die Nominierung zeigt, dass es sich um einen hervorstechenden Schulstandort handelt.

Da in Oberhausen seit einiger Zeit die Planung einer neuen weiterführenden Schule diskutiert wird und noch immer nicht abgestimmt ist, welcher Schultyp dafür geeignet ist, haben sich die GRÜNEN von diesen Überlegungen erst einmal freigemacht. „Wir befürworten generell Schulen, die das gemeinsame Lernen anbieten“, sagt Sandra Gödderz, schulpolitische Sprecherin der Fraktion. Bei dem Schulneubau sollte aber mehr bedacht werden: Wie kann nachhaltig geplant und gebaut werden? Wie muss beteiligt werden? Und vor allem: Wie kann sich eine Schule in den Stadtteil integrieren und diesen bereichern? Das sind Fragen, die uns in Gelsenkirchen beeindruckend beantwortet wurden und das von einer Schule, die in einem alles andere als problemfreien Stadtteil liegt“, so Gödderz weiter.

Die Klassen der Sekundarstufe I haben in Gelsenkirchen-Bismarck jeweils einen Klassenraum in Form eines eigenen kleinen Klassenhauses. Als diese sukzessiv erbaut wurden, beteiligten sich die damaligen Schülerinnen und Schüler an der Ausgestaltung ihrer zukünftigen Klassen. Die Verwendung von nachhaltigen Baustoffen, vor allem Holz, spielte dabei eine große Rolle. Ebenso die Bereitstellung eines Gartenstücks für jede Klasse, das nach Geschmack und Interesse gestaltet wird.

Etliche Dächer des kleinteiligen, individuell gestalteten Gebäudeensembles weisen eine Dachbegrünung auf; zudem, so Abteilungsleiter Rolf Geisler, wurde mit dem nachhaltigen „isofloc“ Zellulosefasern gedämmt. Außerdem kommt die gesamte Anlage durch Nutzung von passivsolarer Energie und natürlicher Auftriebsenergie ohne mechanische Belüftung aus.

Aber es sind auch die Kleinigkeiten und Beiwerke, die sofort verraten, dass an dieser Schule Nachhaltigkeit großgeschrieben wird: Im Foyer wachsen lebendige Bäume.

Vor der Mensa steht ein Wasseraufbereiter. Auf ihrer Besichtigungstour sahen die Fraktionsmitglieder deshalb etliche Schülerinnen und Schüler, die statt aus Einwegbehältnissen aus ihren eigenen, mit dort Wasser befüllten Flaschen tranken. „Das nenne ich alltagstauglich“, meint Fraktionssprecher Andreas Blanke begeistert. „So einfach kann Plastikmüll auch in der Schule vermieden werden!“

„Was uns vor allem beeindruckte, ist, dass diese wunderbar gestaltete Schule sowohl bei Planung und Bau als auch in der pädagogischen Alltagspraxis nicht mehr finanzielle Mittel benötigte, als Gesamtschulen mit dieser Zügigkeit, die weniger innovativ errichtet wurden“, erklärt die planungspolitische Sprecherin Regina Wittmann. „Für uns wieder ein Beweis dafür, dass eine gut durchdachte Planung, die nachhaltige Qualität anstrebt, nicht teurer ist.“

Bei diesem Erfolgsrezept wundert es nicht, dass die Anmeldezahlen doppelt so hoch sind, wie die Kapazität es zulässt. „Anstatt das vermeintlich zu nutzen, also vor allem Kinder mit Eignung fürs Gymnasium anzunehmen, gilt an dieser Gesamtschule eine Drittelverteilung hinsichtlich der Grundschulempfehlung“, erläutert Sandra Gödderz. Damit hat die Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck nach Ansicht der GRÜNEN eine optimale Grundlage für ihre Schulform: eine heterogene Schüler*innenschaft, die für gemeinsames Lernen die beste Basis ist.

„Wir wünschen uns, dass die Fachverwaltung eine Vertretung dieser Schule in einen der nächsten Schulausschüsse einlädt“, hält Sandra Gödderz abschließend fest, „damit sich die Mitglieder davon überzeugen können, was alles möglich ist, ohne finanziell zu überfordern“.

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