Ratsrede (23.09.2019) zur Großen Anfrage "Gesundheitsversorgung in Oberhausen" von Andreas Blanke

(Es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,

zunächst bedanken wir uns bei der SPD-Fraktion, sich diesem Thema in Form einer Großen Anfrage angenommen hat und nehmen die Möglichkeit gerne wahr, uns dazu und zu den Antworten der Verwaltung zu äußern.

Das Politikfeld „Gesundheit“ ist eines, das regelrecht traditionell von allen Seiten und auf allen politischen Ebenen – ich nenne es mal – „kritisch begleitet wird“.

Schließlich geht es dabei um uns alle und das wohlmöglich in einer Situation, in der wir der Hilfe anderer bedürfen beziehungsweise abwenden wollen, diese überhaupt erhalten zu müssen.

Bereits an dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich Letzteren, sprich der Prävention, gleich näher widmen werde.

 

Zunächst aber die Feststellung:
Oberhausen ist kein gallisches Dorf:
Auch bei uns muss der demographischen Veränderung begegnet werden.
Auch bei uns manifestieren sich „die Zeichen der Zeit“ in der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.

Wie uns die vorliegende Beantwortung der Großen Anfrage wieder vor Augen führt:
Wir haben auf kommunaler Ebene wichtige Aufgaben zu erfüllen, sind aber bei weitem nicht für alles zuständig. Damit ziele ich vor allem auf die Krankenhaus-Bedarfsplanung ab, für die das Land bzw. die Landesregierung zuständig ist.

Deshalb sind wir als Rat gut beraten, wachen Auges dabei zu sein, wenn die Verwaltung ihre Funktion an dieser Stelle als Schnittmenge erkennt, herausarbeitet und dann auch konstruktiv wahrnimmt.

Das Insolvenzverfahren des KKO hat uns ganz aktuell getroffen; nicht unberechtigt begleiten wir die Entwicklungen mit Sorge. Viele Fragen nach dem Warum bleiben für uns unbeantwortet.

Auch wollen wir bei dem anstehenden Generationswechsel der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte politisch unterstützen, so dass dieser durch die Stadt überzeugend beworben werden kann.
Damit begeben wir uns in eine Querschnittsaufgabe, die der Gesundheitsbereich inne hat.


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie bereits angekündigt, misst die GRÜNE Ratsfraktion dem Bereich der gesundheitlichen Prävention einen gesonderten Status bei.

Lassen Sie mich dafür auf ein Beispiel verweisen:

Leider können wir uns auf keine validen Zahlen stützen, was die psychotherapeutische und psychiatrische Bedarfsermittlung in Oberhausen betrifft.

Wir alle wissen aber

–  und damit sind wir bei „den Zeichen der Zeit, die sich auch in der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger widerspiegeln“ –

dass die Komplexität unserer Lebens- und Arbeitswelt, dass soziale Ungleichheit, genauer gesag,t Armut einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben.

Psychische Leiden, so zeigte erst im Sommer der Psychoreport 2019 der DAK, erreichten bei Krankschreibungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Jahr 2017 einen Höchststand, der 2018 nur leicht zurückging.

Natürlich spielt bei dieser Entwicklung die Endtabuisierung eine große Rolle. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die gestiegene Arbeitsbelastung, bedingt durch diverse Faktoren, wie die Digitalisierung, was ebenfalls Studien belegen. Dieses Beispiel können wir aus dem Bereich des Psychiatrischen herausführen, denn Muskel- und Skeletterkrankungen sind uneingeschränkt der häufigste Grund bei Arbeitsausfall.

Und ja, es ist richtig, dass in Sachen Prävention die Krankenkassen eine große Rolle spielen, doch gesundheitliche Prävention ist eine Querschnittsaufgabe – man kann es gar nicht oft genug wiederholen – die von der eigenen Fortbewegungsart über gesundes Essen in öffentlichen Einrichtungen bis hin zu betrieblichen Sport-Angeboten reicht.

Diese Querschnittsaufgabe zeigt sich auch im Zusammenhang von „Gesundheit und Armut“.
Wir wollen und dürfen nicht hinnehmen, dass Menschen mit wenig Einkommen eine deutlich geringere Lebenserwartung haben, wie die angeführte Analyse des Robert-Koch-Instituts belegt.

Das ist skandalös für eine Wohlstandgesellschaft, wie der unsrigen!

Auch da ist die Spannbreite unserer kommunalen Handlungsfähigkeit nicht zu unterschätzen:

- Mehr gesundes Essen in KTE, OGS und weiterführenden Schulen.

- Niedrigschwellige Angebote der Gesundheitsversorge, die so kommuniziert werden, dass die, die sie nutzen können, auch kennen.

- Einen Schritt hat die Beigeordnete Lauxen mit der Schuleingangsuntersuchung benannt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei all den Stellen, also Verbänden und Trägern bedanken, die daran tatkräftig mitarbeiten.

Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

nicht zuletzt müssen wir uns scheinbar neuen Themen im Bereich der gesundheitlichen Versorgung gegenüber offen zeigen, denn auch hier ist das Spektrum breit.
Daher beschränke ich mich auf zwei Beispiele, die die ganz jungen Menschen betreffen:

Die Förderung der Sprachkompetenz bereits im Kindergarten; so berichtete der Jugendamtsleiter jüngst über ein Projekt zur Lese-Rechtschreibschwäche oder der geeignete Umgang mit Teilleistungsstörungen ab der Grundschule dienen zur Unterstützung einer gelungenen kindlichen Entwicklung und sind somit auch gesundheitliche Prävention, indem psychische Widerstandsfähigkeit aufgebaut werden kann, die zukünftige Konflikte in der Lebensführung zu bewältigen vermag.

Investitionen in diesem Bereich rechnen sich also. Für die nachwachsende Generation und für die Gesellschaft, in der wir leben. 

Kategorien:Aktuelles
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